Cushing (PPID) beim älteren Pferd: Anzeichen, Test und Behandlung
AnimalChat Redaktion · 7. Oktober 2026
PPID ist bei älteren Pferden häufig und gut behandelbar, wenn man sie erkennt. Welche Zeichen typisch sind, wie getestet wird und was die Behandlung bedeutet.
Viele Anzeichen von PPID werden als „normales Altern“ abgetan: das Pferd wird dünner, das Fell dicker, es fällt öfter mal aus. Dabei steckt hinter diesen Veränderungen häufig eine Erkrankung, die sich gut behandeln lässt und unbehandelt Hufrehe auslösen kann.
Was PPID ist
PPID steht für „Pituitary Pars Intermedia Dysfunction“, im Deutschen meist Equines Cushing-Syndrom genannt. Ein Teil der Hirnanhangdrüse arbeitet unkontrolliert und schüttet zu viele Hormone aus, die unter anderem den Stoffwechsel, das Fell und das Immunsystem beeinflussen. Die Erkrankung entwickelt sich schleichend, meist ab einem Alter von etwa 15 Jahren, und sie tritt bei Ponys wie bei Großpferden auf.
Typische Anzeichen
Frühe Zeichen:
- Der Fellwechsel verzögert sich, das Winterfell wird im Frühjahr spät oder unvollständig abgeworfen
- Einzelne längere Haare, etwa an den Beinen oder am Kinn
- Nachlassende Leistung, Lethargie
- Muskelabbau an der Oberlinie, also am Rücken und an der Kruppe
- Fettpolster an ungewöhnlichen Stellen, zum Beispiel über den Augen
Späte, deutlichere Zeichen:
- Langes, lockiges Fell, das nicht mehr abgeworfen wird
- Hufrehe, oft ohne erkennbaren Auslöser
- Vermehrtes Trinken und Harnabsatz
- Häufigere Infekte, schlecht heilende Wunden, Zahn- oder Hufabszesse
- Vermehrtes Schwitzen
Das lange, lockige Fell ist das auffälligste Zeichen, aber ein spätes. Wer schon bei einem verzögerten Fellwechsel oder Muskelschwund an PPID denkt, erkennt die Erkrankung Jahre früher.
Wie getestet wird
Die Diagnose stellt die Tierärztin über eine Blutuntersuchung. Meist wird das Hormon ACTH gemessen. Dabei ist die Jahreszeit wichtig: Im Spätsommer und Herbst steigt der ACTH-Wert auch bei gesunden Pferden an, deshalb gelten jahreszeitlich angepasste Grenzwerte. Liegt das Ergebnis im Graubereich, gibt es einen Stimulationstest, der mehr Klarheit bringt.
Weil PPID und das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oft zusammen auftreten und beide Hufrehe begünstigen, wird häufig auch der Insulinstoffwechsel mit untersucht.
Behandlung
PPID ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Es gibt ein Medikament, das die überaktive Hirnanhangdrüse dämpft. Die Behandlung läuft lebenslang und wird über regelmäßige Blutkontrollen eingestellt. Viele Pferde gewinnen dadurch sichtbar an Lebensqualität: Der Fellwechsel normalisiert sich, sie werden munterer und bauen wieder Muskeln auf.
Dazu gehört ein angepasstes Management:
- Zucker- und stärkearm füttern, besonders wenn auch der Insulinstoffwechsel gestört ist
- Fell scheren, wenn das Pferd im Sommer unter dem dichten Fell schwitzt
- Zähne und Hufe regelmäßig kontrollieren lassen
- Wurmbefall über Kotproben im Blick behalten, weil das Immunsystem geschwächt ist
- Auf kleine Wunden und Entzündungen früher reagieren als bei einem jungen Pferd
Wann du testen lassen solltest
Wenn dein Pferd älter als etwa 15 Jahre ist und eines der frühen Zeichen zeigt, sprich die Tierärztin darauf an. Das gilt besonders, wenn der Fellwechsel in diesem Jahr anders verläuft als sonst.
Sofort anrufen solltest du, wenn Zeichen einer Hufrehe dazukommen: klammer Gang, warme Hufe, pochende Pulsation an den Fesseln. Das ist ein Notfall.
Passend dazu
Eine Frage zu deinem Tier?
Der AnimalCoach kennt diesen Artikel und dein Tier – und hilft dir, die nächste sinnvolle Frage an deine Praxis zu stellen.
AnimalChat kostenlos laden