Hufrehe beim Pferd: Frühzeichen erkennen, bevor es ein Notfall wird

AnimalChat Redaktion · 7. Oktober 2026

Ein Pony mit Fressbremse grast am Holzzaun auf einer Frühjahrsweide, dahinter ein Dorf.
Bild KI-generiert

Hufrehe hat heute meist eine Stoffwechselursache und kündigt sich oft an. Woran du sie früh erkennst, was du sofort tust und wie du vorbeugst.

Hufrehe gehört zu den schmerzhaftesten Erkrankungen, die ein Pferd bekommen kann, und sie kann ein Pferd dauerhaft lahm machen. Die gute Nachricht: Viele Fälle kündigen sich an, und wer die frühen Zeichen kennt, gewinnt die Stunden, auf die es ankommt.

Was bei Hufrehe passiert

Im Huf verbindet die Huflederhaut das Hufbein mit der Hornkapsel. Bei Hufrehe wird diese Verbindung geschädigt. Sie entzündet sich und verliert an Halt. Im schlimmsten Fall senkt sich das Hufbein ab oder kippt in der Hornkapsel, man spricht dann von Absenkung oder Rotation.

Die häufigste Ursache ist heute der Stoffwechsel

Lange galt vor allem zu viel Gras als Auslöser. Heute weiß man: Der weitaus größte Teil der Rehefälle hat eine hormonelle bzw. Stoffwechselursache. Dahinter stehen meist zwei Erkrankungen:

  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS): Das Pferd reagiert zu stark auf Zucker und Stärke, der Insulinspiegel steigt übermäßig. Betroffen sind oft leichtfuttrige Rassen, Ponys und übergewichtige Pferde.
  • PPID (Equines Cushing): eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse bei älteren Pferden, die den Stoffwechsel ebenfalls entgleisen lässt.

Fruktanreiches Gras ist dabei oft der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, vor allem an sonnigen Tagen nach kalten Nächten. Daneben gibt es weitere Auslöser: schwere Infektionen oder Vergiftungen, eine zurückgebliebene Nachgeburt, und die Belastungsrehe, wenn ein Bein wegen einer Verletzung am anderen dauerhaft mehr tragen muss.

Frühe Zeichen

  • Klammer, vorsichtiger Gang, besonders auf hartem Boden und in engen Wendungen
  • Häufiges Gewichtverlagern, Anheben der Vorderhufe im Wechsel
  • Deutlich fühlbare, pochende Pulsation an den Fesseln (seitlich hinten am Fesselkopf)
  • Warme Hufwände, vor allem wenn der Unterschied zu anderen Pferden auffällt
  • Vermehrtes Liegen, Unwilligkeit, die Hufe geben zu lassen
  • Die typische Haltung: Vorderbeine nach vorn gestellt, Gewicht auf die Hinterhand verlagert

Oft sind beide Vorderhufe betroffen, es können aber auch alle vier sein. Tipp: Taste die Pulsation an einem gesunden Tag, dann weißt du, wie sich „normal“ bei deinem Pferd anfühlt.

Was du sofort tust

Hufrehe ist ein Notfall. Ruf bei Verdacht sofort die Tierärztin oder den Tierarzt an. Bis dahin:

  1. Pferd von der Weide holen und kein Kraftfutter mehr geben.
  2. Auf weichen, tiefen Boden stellen, zum Beispiel eine dick eingestreute Box mit Späne oder Sand.
  3. Nicht zum Laufen zwingen und nicht longieren oder „bewegen, damit es sich einläuft“.
  4. Keine Schmerzmittel auf eigene Faust. Sie überdecken, was die Tierärztin beurteilen muss.

Ob Kühlen der Hufe sinnvoll ist, hängt von der Ursache ab. Frag nach, bevor du damit anfängst.

Nach der akuten Phase

Wenn die akute Phase vorbei ist, sollte die Ursache geklärt werden. Bei Verdacht auf EMS oder PPID lässt sich das über Blutuntersuchungen prüfen. Ohne diese Abklärung kommt die Rehe häufig wieder. Röntgenbilder zeigen, ob und wie weit sich das Hufbein verändert hat, und sind die Grundlage für die weitere Hufbearbeitung.

Vorbeugen

  • Gewicht und Körperkondition regelmäßig beurteilen, nicht nur schätzen. Ein sichtbarer Mähnenkamm und Fettpolster am Schweifansatz sind Warnzeichen.
  • Bei leichtfuttrigen oder vorbelasteten Pferden Weidezeit begrenzen, im Frühjahr langsam anweiden, bei Bedarf eine Fressbremse nutzen.
  • Zucker- und stärkearm füttern, Heu bei Bedarf wässern, nachdem du das mit der Tierärztin besprochen hast.
  • Ältere Pferde bei ersten Anzeichen auf PPID testen lassen.
  • Hufe regelmäßig von einer Fachkraft bearbeiten lassen.

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