Abschied vom Pferd: Einschläferung, Abholung und Kremierung

AnimalChat Redaktion · 7. Oktober 2026

Ein älteres Pferd grast im Abendlicht auf der Weide, ein Mann steht daneben und legt ihm die Hand an den Hals.
Bild KI-generiert

Wie die Einschläferung im Stall abläuft, welche Wege es danach gibt und was du mit Stall und Tierarzt rechtzeitig absprechen solltest.

Ein Pferd begleitet seine Menschen oft über Jahrzehnte. Umso schwerer ist der Abschied, und beim Pferd kommen praktische Fragen hinzu, die es bei kleinen Tieren nicht gibt: ein Tier von mehreren hundert Kilo, ein Platz, an dem es sich hinlegen kann, und eine Abholung, die organisiert werden muss. Wer diese Dinge früh klärt, kann sich im entscheidenden Moment ganz seinem Pferd widmen.

Die Einschläferung im Stall

Viele Pferde werden in ihrer gewohnten Umgebung eingeschläfert, auf dem Hof, auf der Koppel oder auf einem ruhigen Platz nahe dem Stall. Das erspart ihnen einen Transport und ist für die meisten Pferde weniger belastend als eine fremde Umgebung.

In der Regel bekommt das Pferd zuerst ein starkes Beruhigungsmittel und danach eine Narkose, bevor das eigentliche Medikament gegeben wird. Das Pferd legt sich dabei hin oder sinkt zu Boden. Deine Tierärztin wird dir vorher erklären, wie das aussieht. Auch nach dem Tod kann es noch zu einzelnen Muskelzuckungen oder einem tiefen Atemzug kommen. Das sind Reflexe, das Pferd spürt davon nichts.

Wichtig für den Ort:

  • genug Platz, damit das Pferd sich sicher hinlegen kann, ohne an Wände oder Zäune zu stoßen
  • weicher, ebener Untergrund, etwa Gras oder Sand
  • gut erreichbar für ein großes Abholfahrzeug mit Seilwinde
  • möglichst ruhig und abseits vom Stallbetrieb

Manche Halter lassen die Herdengefährten das verstorbene Pferd noch einmal beschnuppern. Viele beobachten, dass die anderen Pferde danach ruhiger sind und den Verlust besser annehmen. Sprich das vorher mit dem Stall ab.

Was danach mit dem Pferd geschieht

Anders als kleine Heimtiere dürfen Pferde in Deutschland in aller Regel nicht auf dem eigenen Grundstück begraben werden. Es bleiben im Wesentlichen zwei Wege:

  • Tierkörperbeseitigung: Das Pferd wird von der zuständigen Verarbeitungsanlage für tierische Nebenprodukte abgeholt. Das ist der gesetzlich vorgesehene Standardweg. Das Pferd wird dort nicht einzeln bestattet, und es gibt keine Asche zurück. Die Kosten unterscheiden sich je nach Bundesland. In einigen Ländern übernimmt die Tierseuchenkasse einen Teil davon, wenn das Pferd dort gemeldet ist. Frag bei deiner Tierseuchenkasse nach, ob das bei dir gilt.
  • Pferdekremierung: Spezialisierte Krematorien holen das Pferd ab und äschern es ein. Bei einer Einzelkremierung bekommst du die Asche deines Pferdes zurück, je nach Größe eine erhebliche Menge, die du in einer Urne aufbewahren, im eigenen Garten beisetzen oder an einem erlaubten Ort verstreuen kannst.

Beide Wege sind legitim. Die Entscheidung hängt davon ab, wie wichtig dir die Asche ist, was du dir leisten kannst und welche Möglichkeiten es in deiner Region gibt.

Kosten grob einordnen

Die Kosten setzen sich aus mehreren Teilen zusammen: die tierärztliche Einschläferung mit Anfahrt, die nach der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet wird, und die Abholung. Als grobe Orientierung und ohne Gewähr:

  • Die Abholung durch die Tierkörperbeseitigung liegt je nach Bundesland und Zuschuss meist im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich.
  • Eine Pferdekremierung ist deutlich teurer und bewegt sich oft im vierstelligen Bereich, abhängig von Gewicht, Entfernung und ob einzeln oder gemeinsam eingeäschert wird.

Frag vorher nach den konkreten Kosten, am besten schriftlich. Eine Abholung am Wochenende oder an Feiertagen kann teurer sein oder erst am nächsten Werktag stattfinden.

Vorsorge und Absprachen

Vieles lässt sich klären, solange es deinem Pferd gut geht:

  • Mit dem Stall: Wo kann die Einschläferung stattfinden? Wer ist zuständig, wenn du nicht erreichbar bist? Wo kann das Pferd bis zur Abholung liegen, und womit wird es abgedeckt?
  • Mit der Tierärztin: Wie läuft es ab, wer kommt im Notfall, und wie schnell? Welche Kriterien helfen euch gemeinsam, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen?
  • Abholung: Welche Anlage oder welches Krematorium ist zuständig, wie ist die Telefonnummer, und wie lange dauert es bis zur Abholung?
  • Versicherung: Hat dein Pferd eine Lebens- oder Krankenversicherung, verlangt der Versicherer oft, dass er vor einer Einschläferung informiert wird, außer im akuten Notfall. Lies die Bedingungen rechtzeitig.
  • Equidenpass: Nach dem Tod muss der Pass in der Regel innerhalb von 30 Tagen an die ausstellende Stelle zurückgegeben werden. Frag nach, wie das bei deinem Verband geregelt ist, und ob du ihn entwertet zurückbekommen kannst.
  • Erinnerungen: Eine Strähne aus Mähne oder Schweif, ein Hufeisen oder das Halfter lassen sich später nicht mehr nachholen. Sag Stall und Tierärztin vorher, was du behalten möchtest.

Schreib deine Wünsche auf und gib sie dem Stall. Wenn du im Urlaub bist oder im Ernstfall nicht erreichbar, weiß dann jemand, was du dir gewünscht hast.

Wenn es plötzlich geht

Nicht jeder Abschied lässt sich planen. Eine schwere Kolik oder ein Unfall kann eine schnelle Entscheidung verlangen. Gerade dann hilft es, wenn die Absprachen schon stehen. Ruf in einem Notfall sofort die Tierärztin oder den tierärztlichen Notdienst an, und nimm dir, wenn es irgend geht, die Zeit, dich von deinem Pferd zu verabschieden.

Eine Frage zu deinem Tier?

Der AnimalCoach kennt diesen Artikel und dein Tier – und hilft dir, die nächste sinnvolle Frage an deine Praxis zu stellen.

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