Zahnkontrolle beim Pferd: wie oft und woran du Probleme erkennst
AnimalChat Redaktion · 7. Oktober 2026
Pferdezähne schieben lebenslang nach und nutzen sich ungleichmäßig ab. Welche Kontrollintervalle sinnvoll sind und welche Zeichen auf Zahnprobleme hindeuten.
Pferde zeigen Zahnschmerzen selten deutlich. Oft fressen sie einfach weiter, nur langsamer oder anders, bis sich das Problem über Gewicht, Rittigkeit oder Koliken bemerkbar macht. Eine regelmäßige Kontrolle findet Probleme, lange bevor sie das Pferd belasten.
Warum Pferdezähne besondere Pflege brauchen
Die Backenzähne des Pferdes sind sehr lang und schieben sich ein Leben lang aus dem Kiefer nach, während sie beim Kauen abgerieben werden. Weil der Oberkiefer breiter ist als der Unterkiefer, nutzen sie sich nicht gleichmäßig ab. So entstehen scharfe Kanten an der Außenseite oben und der Innenseite unten, dazu Haken und Stufen. Diese Kanten können Wangen und Zunge verletzen.
Beim Pferd geht es also in erster Linie um die Form der Kauflächen. Zahnstein spielt eine viel kleinere Rolle als bei Hund und Katze. Empfehlungen aus der Kleintiermedizin lassen sich deshalb nicht einfach übertragen.
Zeichen für Zahnprobleme
- Futter fällt beim Kauen aus dem Maul, oder das Pferd formt Heu zu Wickeln (Wickelkauen)
- Auffällig langsames Fressen, Kauen mit schiefem Kopf
- Lange Halme oder ganze Körner im Kot
- Gewichtsverlust, obwohl genug Futter da ist
- Kopfschlagen, Zungenstrecken, einseitige Anlehnung oder Widersetzlichkeit beim Reiten
- Speicheln, übler Maulgeruch, Schwellung am Kopf oder einseitiger Nasenausfluss
Der letzte Punkt ist wichtig: Übel riechender, einseitiger Nasenausfluss kann auf eine Zahnwurzelentzündung hinweisen, die bis in die Nasennebenhöhlen reicht.
Sinnvolle Intervalle
- Junge Pferde bis etwa fünf Jahre: etwa halbjährlich. In dieser Zeit wechseln die Zähne, und Milchzahnkappen oder Wolfszähne können Probleme machen, gerade beim Anreiten.
- Erwachsene Pferde: mindestens einmal im Jahr.
- Ältere Pferde, etwa ab Mitte zwanzig: wieder häufiger, oft halbjährlich. Zähne lockern sich oder fallen aus, und der Gegenzahn wächst dann ungebremst in die Lücke.
Pferde mit bekannten Problemen oder nach einer größeren Korrektur brauchen ohnehin einen individuellen Plan.
Was beim Termin passiert
Eine gründliche Untersuchung ist nur mit Maulgatter, guter Lichtquelle und meist leichter Sedierung möglich. Nur so lassen sich auch die hinteren Backenzähne sehen und tasten. Scharfe Kanten und Haken werden dann mit Hand- oder Motorraspel abgetragen. Ein kurzer Blick ins Maul ohne Maulgatter reicht nicht aus, weil die hinteren Zähne dabei unsichtbar bleiben.
Bei älteren Pferden werden auch die Schneidezähne genauer angesehen. Schmerzhafte Veränderungen am Zahnfleischrand, die sich dort im Alter entwickeln können, sind oft auf dem Röntgenbild besser zu beurteilen.
Wann du nicht bis zum nächsten Termin warten solltest
Wenn dein Pferd plötzlich schlechter frisst, stark speichelt, eine Schwellung am Kopf hat, einseitig übel riechenden Nasenausfluss zeigt oder deutlich abnimmt, lass es zeitnah untersuchen. Frisst ein Pferd gar nicht mehr, ist das immer ein Grund, noch am selben Tag anzurufen.
Ältere Pferde füttern
Wenn die Kaufläche nicht mehr reicht, um Heu richtig zu zerkleinern, droht Gewichtsverlust und ein höheres Risiko für Schlundverstopfung und Koliken. Dann helfen eingeweichte Heucobs oder Heuersatz. Wie viel davon nötig ist, besprich am besten nach der Zahnkontrolle mit deiner Tierärztin.
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